Enis Ersü zieht sich bei Isra Vision AG zurück

Enis Ersü zieht sich bei Isra Vision AG zurück

Vor 36 Jahren hat Enis Ersü die Isra Vision in Darmstadt gegründet. Ende Juni wird er sich aus der Firma zurückziehen. inVISION hat nachgefragt, was den Erfolg seiner Firma ausmacht und wie es zukünftig weiter gehen wird.

„Isra Vision wird auch in der Zukunft die weltweiten Machine Vision Aktivitäten im Atlas Copco Konzern aus Darmstadt führen.“, Enis Ersü, Isra Vision AG (Bild: Isra Vision AG)

 

inVISION: Zahlreiche der ehemaligen Wettbewerber von Isra Vision sind mittlerweile vom Markt verschwunden bzw. haben nicht ein solches Wachstum wie Isra Vision hinlegen können. Wo liegt das Geheimnis Ihres Erfolges?

Enis Ersü: Es ist die Kombination von trivialen Grundprinzipien des Unternehmertums. Der Fokus auf den Markt mit globaler Kundennähe, die Innovationsintensität für eine führende Technologiestellung auf dem Markt und die Optimierung von Kostenstrukturen in Verbindung mit einer stabilen, krisenfesten finanziellen Basis sind wohl die wichtigsten Kriterien, nach denen wir Isra konsequent ausgerichtet haben, um das Wachstum nachhaltig anzukurbeln. Aber natürlich auch der Mut zur Entscheidung, manchmal sogar zu einer sehr schnellen Entscheidung mit konsequenter Umsetzung – wie z.B. bei Akquisitionsprozessen – und ein tolles, kompetentes Team sind für Isras Wachstumsdynamik von großer Bedeutung gewesen.

inVISION: Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung in Ihrer Karriere als Unternehmer und was war Ihr größter Erfolg?

E. Ersü: Wir haben bei Isra sehr früh angefangen, das Unternehmen global aufzustellen. Neue Länder, neue Kulturen, unterschiedliche Denkweisen waren ziemlich herausfordernd. Diese neuen Teams zu integrieren, über Kontinente hinweg zusammen zu schweißen und allen eine Identität in Form eines gemeinsamen weltweiten Isra-Teams zu geben, war für mich die größte Herausforderung und der größte Erfolg zugleich, der nur mit einer außerordentliche Leistung des ganzen Teams möglich war. Der Börsengang und der Deutsche Innovationspreis waren auch wichtig. Ganz besonders stolz bin ich jedoch auf das Isra-Team.

inVISION: Warum haben Sie sich letztendlich für die Transaktion mit Atlas Copco entschieden?

E. Ersü: Die Zukunft des Unternehmens und des Teams ist für einen Gründer eine der wichtigsten Fragen. Besonders dann, wenn man wie ich ein bestimmtes Alter erreicht hat, wird eine stabile, zukunftssichere Nachfolgeregelung von eminenter Bedeutung. Da seitens der Familie keine passende Konstellation herbeigeführt werden konnte, musste ich nach Alternativen suchen. Von den verschiedenen Möglichkeiten erschien eine strategische Allianz als die beste Wahl für das Unternehmen und das Team. Die Transaktion mit Atlas Copco ist somit vor allem als die Nachfolgereglung von Enis Ersü zu interpretieren. Isra passt optimal zur Strategie von Atlas Copco. Die Diversifikation im Rahmen der Digitalisierungsoffensive soll mit Isra und Machine Vision im Bereich der industriellen Automatisierung ein neues Standbein und gleichzeitig ein erweitertes Geschäft mit neuer Produktpalette und zugleich auch Cross-Selling-Potenzial aufbauen.

„Prozessintegration und Nischenapplikationen bleiben bei der industriellen Bildverarbeitung weiterhin Kerngeschäft der KMUs“, Enis Ersü, Isra Vision AG (Bild: Isra Vision AG)

inVISION: Mit Perceptron und Quiss sind einige Ihrer ehemaligen Marktbegleiter unter dem Dach der Atlas Gruppe zusammengeführt worden. Wie (und wann) wird sich dies für den Mutterkonzern auszahlen?

E. Ersü: Wie Sie wissen, hatte Isra ja auch eine Konzeption für Akquisitionen. Die schrittweise Implementierung der Teilkonzepte wird sehr schnell Effekte zeigen. Auf einer Seite werden sich die Portfolioerweiterungen und -bündelungen in der Automobilindustrie umgehend bemerkbar machen. Gleichzeitig werden die Cross-Selling-Aktivitäten mit einem erweiterten Vertriebsteam weltweit neue Potenziale erschließen.

inVISION: Die Big Player der industriellen Bildverarbeitung waren bis vor Kurzem Isra, Cognex, Vitronic. Heute sehen wir Amazon (Web Services), Intel und Ambarella mit großem Engagement bei diesem Thema. Werden die Vision-KMUs von den globalen IT-Konzernen verdrängt?

E. Ersü: Hier müssen wir stark unterscheiden zwischen den Produkten, die prozessnah oder inline in der Produktion zum Einsatz kommen, und generischen Applikationen mit sehr hohem Marktvolumen. Dieses hohe Marktvolumen wird einen Embedded-Modul-Ansatz mit cloud-based Applikationsportfolio zur Folge haben, das heißt sowohl Hardware als auch Software werden in Form von Plattformstrategien von Unternehmen kommen, die das auch strategisch stemmen können. Prozessintegration und Nischenapplikationen bleiben auch in einem solchen Szenario weiterhin Kerngeschäft der KMUs.

inVISION: Sie haben kürzlich bekannt gegeben, die Firma zu verlassen. Wie wird es bei Isra Vision weiter gehen?

E. Ersü: Nach 36 Jahren Isra werde ich nun zum 30. Juni tatsächlich aus den Diensten der Firma ausscheiden. Mit dem Managementteam haben wir uns auf diesen Termin gut vorbereitet. Isra Vision wird auch in der Zukunft die weltweiten Machine Vision Aktivitäten im Atlas Copco Konzern aus Darmstadt führen. Das neue dreiköpfige Managementteam setzt sich dann aus zwei bekannten Isra Managern Hans Jürgen Christ und Dr. Johannes Giet und einem neuen Managerkollegen aus Schweden – Tomas Lundin, seit August 2020 in Darmstadt bei Isra – zusammen. Ich wünsche dem Isra Vision Team und dem neuen Managementtrio viel Erfolg und eine innovationsreiche Zukunft mit großem Wachstum.

Isra Vision AG
http://www.isravision.com

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