
inVISION: Herr Dr. Noffz, könnten Sie CCS bitte kurz vorstellen?
Klaus-Henning Noffz: CCS ist ein japanischer Beleuchtungshersteller, beheimatet in Kyoto. Wir sind einer der Pioniere von LED-Licht und gehören mit fast 100 Mio. € Umsatz zu den weltweit führenden Beleuchtungsherstellern. Was ich faszinierend finde, ist, dass in Japan eine MV-Applikation nicht bei der Kamera beginnt – wie in Europa – sondern beim Licht! Kunden versuchen also zuerst die richtige Beleuchtung zu finden. Dafür unterhält CCS mehr als 20 Light Labs. Dort arbeiten wir mit Kunden an der optimalen Beleuchtung, was uns eine einzigartige Kundenposition gibt, aus der heraus es nur ein kurzer Schritt zum Lösungsanbieter ist. Eigentlich nehme ich diesen Begriff nur ungern in den Mund, da er vor lauter Beliebigkeit kaum noch Inhalt hat, aber für CCS – insbesondere in Japan – hat er eine Bedeutung in der Erarbeitung spezialisierter Lösungen zusammen mit dem Kunden. Im Unterschied zum Mainstream Solution Provider versuchen wir nicht Hersteller der vollen Palette eigener MV-Komponenten zu sein, sondern arbeiten viel mit Technologiepartnern zusammen.

„Ein Vorteil der CCS gegenüber fast allen Wettbewerbern ist, dass wir eigene LEDs designen können.
inVISION: Was unterscheidet CCS von anderen Beleuchtungsherstellern?
Als japanischer Hersteller nimmt CCS die Produktqualität äußerst genau. Probleme mit Ausfällen sind weitgehend unbekannt und die Produktspezifikation wird akribisch getestet. Der zweite Punkt ist das Portfolio. Von keiner anderen MV-Komponente erwarten Kunden einen so großen Variantenreichtum wie bei Licht. CCS entspricht dem mit über 3.000 Standard-Produkten. Der dritte Punkt ist Service. Neben den bereits erwähnten Light-Labs bieten wir umfassend kundenspezifische Lösungen an. In Japan machen wir bereits 50% unseres Umsatzes mit kundenspezifischen Lösungen. Ein Vorteil, den wir gegenüber fast allen Wettbewerbern haben ist, dass wir eigene LEDs designen können. Ein Beispiel hierfür ist unsere Natural Light LED, deren Spektrum den typischen, blauen LED-Peak nicht hat, sondern weitgehend homogen ist. Die Qualität ist so hoch, dass sie in japanischen Kunstmuseen eingesetzt wird, wo es um die perfekte Nachbildung von Tageslicht geht.
inVISION: Könnten Sie noch ein paar weitere Beispiele nennen?
Ein weiteres Beispiel ist unser Flat Dome. Wie der Name sagt, erzeugt er das äußerst gleichmäßige Licht einer Dome Beleuchtung. Nun ist ein konventioneller Dome aber eher ausladend. Der Flat Dome hingegen nutzt ein spezielles Prinzip mit optischen Elementen. Er ist sehr flach und kompakt und damit ideal für alle Anwendungen mit wenig Raum. Ebenfalls innovativ sind kundenspezifische Lösungen. Viele unserer Kunden müssen Defekte auf metallischen Hochglanz- oder anderen spiegelnden Oberflächen detektieren, die Höchststrafe für Bildverarbeiter. Hier haben wir viele spezialisierte Beleuchtungslösungen, die unterschiedliche Techniken miteinander kombinieren, oft auch mit komplexem optischem Design oder Polarisationsfiltern.
inVISION: Wie sieht es mit Beleuchtungen für SWIR oder Hyperspectral Imaging (HSI) aus?
Die Erweiterung des Frequenzspektrum hat der Bildverarbeitung viele neue Anwendungen erschlossen. Wie so oft, spielt Licht auch hier eine zentrale Rolle. Hyperspectral braucht idealerweise ein perfekt homogenes Spektrum über einen weiten Bereich. Da sich die Intensität auf ein so breites Spektrum aufteilt, muss es aber auch möglichst leuchtstark sein. CCS hat für solche Anwendungen zwei neue LED-Typen entwickelt: Eine für sichtbares Licht und eine für NIR, die beide auf besonders hohe Intensität optimiert sind. Damit ist unsere Beleuchtung für schnelle Inline-Inspektion hervorragend geeignet. Zudem punktet sie im Sichtbaren mit ihrem sehr homogenen Spektrum, ideal für HSI.

„Um noch kürzere Belichtungszeiten zu erreichen, setzen wir zunehmend auf spezielle Laserdioden statt LED. Verglichen mit der Leistung einer High-Power LED verhundertfachen wir so die Lichtstärke!“ Dr. Klaus-Henning Noffz, CCS Europe
inVISION: Für den Halbleiterbereich bieten Sie Laser-Beleuchtungen anstatt LEDs an. Können Sie uns hierzu ein paar Details geben?
Bei Semicon geht es immer um Durchsatz und Geschwindigkeit. Der Markt erfordert High-End Kameras mit sehr kurzer Belichtungszeit. Dafür braucht man entsprechend starke Beleuchtungen. Wir lösen das üblicherweise durch externe High-Power Boxen, die über Lichtleiter 150 Millionen Lux über vier Lichtleiter einspeisen, was z.B. Xenon-Licht in den Schatten stellt. Trotzdem geht die Entwicklung weiter. Um noch kürzere Belichtungszeiten zu erreichen, setzen wir zunehmend auf Laserdioden statt LED. Verglichen mit der Leistung einer High-Power LED verhundertfachen wir so die Lichtstärke! Leider erzeugen Laser starkes Rauschen (Laser-Speckles). Mit neuen Innovationen haben wir dieses Problem aber lösen können und bieten nun Laserbeleuchtung mit der hohen Qualität von LEDs und der Lichtstärke von Lasern an.
inVISION: Neben CCS gehören zur Firmengruppe auch Effilux und Gardasoft. Wie unterscheiden sich die Produktbereiche der drei Firmen?
Die Unterscheidung zu Gardasoft ist einfach: während Effilux und CCS Beleuchtungen entwickeln, kommen von Gardasoft die Controller, d.h. die Ansteuerungstechnik. Interessanter ist die Differenzierung innerhalb der Beleuchtung-Brands, also zwischen CCS und Effilux. Als japanisches Unternehmen hat CCS naturgemäß viele Kunden aus den Bereichen Semicon, Electronics oder Display. Unsere Anwendungen sind High-End, also hoher Durchsatz bei gleichzeitig hoher Präzision, z.B. für die Erkennung mikroskopisch kleiner Kratzer. Unsere Stärke liegt daher in der Kombination großer Leuchtstärke, höchster Uniformität, kompakten Designs und oft auch spezieller optischer Elemente für diese besonderen Anforderungen. Effilux fokussiert sich dagegen auf High-Power LEDs in einem skalierbaren Design. Damit kann Effilux auch Licht mit großen Abmessungen effizient bauen, perfekt für Märkte wie Recycling oder Logistics. Durch wirkliche clevere optische Elemente sind diese Beleuchtungen flexibel für viele Anwendungen optimierbar. Jede Marke hat also besondere Stärken. Daher wollen wir in Europa auch stärker diese Synergien betonen.
inVISION: Apropos Europa: CCS Europe hat kürzlich ein Büro in München eröffnet. Was ist das Ziel der neuen Niederlassung?
In Japan hat CCS einen Marktanteil von über 50 Prozent bei Vision-Beleuchtungen. Das schaffen wir in Europa leider noch nicht. In München wollen wir unseren Kunden zwei Dinge bieten: das Netz an Light-Labs verdichten und kundenspezifische Lösungen besser anbieten. Darüber hinaus ist München die erste gemeinsame Basis aller drei Marken: CCS, Effilux und Gardasoft.














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