Quo vadis IBV?

Zunehmend beschäftigen sich auch Steuerungshersteller wie Beckhoff oder B&R mit Bildverarbeitung. Hilft dies, das Thema in der Automatisierungswelt nach vorne zu bringen oder sind diese Firmen neue Wettbewerber für die ‚klassischen‘ Bildverarbeiter?

Noffz: Letztlich sicherlich beides. Als erstes müssen sich die großen Automatisierer mit Bildverarbeitung auseinandersetzen und verstehen, wie sich auch der Markt ihrer SPS-Kunden entwickelt. Für die Bildverarbeiter ergibt sich dadurch die Chance einer besseren Skalierung. Es wird Bereiche geben, in denen die großen Firmen wettbewerbsfähig sind und andere Bereiche, die eher technologiegetrieben sind. Ich bin mir sicher, dass sich unsere Branche dort hervorragend schlagen wird. Zudem gibt es die Möglichkeit von Technologietransfer oder Lizenzierungen. Große Player sind dort wesentlich offener, als unsere Branche. Ich sehe es als Aufgabe des VDMA, in diesem sich rapide verändernden Markt, strukturelle Hilfestellung zu geben, damit wir uns dank Industrie 4.0 erfolgreich weiterentwickeln können.

Wie sieht es bei Embedded Vision mit den Standardisierungsansätzen aus?

Noffz: Embedded Vision entwickelt sich auf der Standardisierungsseite stetig weiter. Dort arbeitet der VDMA mit anderen internationalen Verbänden sehr gut zusammen. Die erste Herausforderung ist hier, dass wir ein Interface brauchen, das schneller, einfacher und günstiger ist, als die bisher bestehenden Interfaces. Eine Lösung könnte z.B. Industrial MIPI oder SLVC-EC sein, eine von den japanischen Kollegen vorangetriebene Entwicklung, die technische Vorteile bietet, aber auch gewisse Nachteile hat. Wichtig ist, dass wir mit OPC Vision und GenICam eine gemeinsame Plattform bilden, das heißt dass GenICam an OPC Vision andockbar ist. Damit erleichtern wir es den Kameraherstellern ihre Produkte smarter zu machen, und die Ergebnissen direkt über OPC Vision in Produktionsumgebungen zu integrieren.

Wie beurteilen Sie den kommenden Wettbewerb aus Asien und welche Chance bietet der asiatische Markt für Wachstum?

Noffz: Das größte Wachstum findet derzeit im asiatischen Markt statt. Für jede Firma ist es wichtig, dort zu partizipieren. Worüber man sich aber nicht wundern darf ist, dass auch Asien, allen voran China, entsprechend technologisch investiert und mittlerweile auch wettbewerbsfähig ist. Es ist nicht länger so, dass China Low End Produkte abbildet und alles was ein Mindestmaß an Qualität hat, aus Europa, USA oder Japan importiert wird. Chinesische Hersteller agieren mittlerweile auch international. Die Vision China Shanghai hat in den letzten Jahren enorm aufgeholt und ist mittlerweile klarer Wettbewerber zur Vision in Stuttgart. Wir sind auf allen Ebenen gefordert, hier über neue Konzepte nachzudenken. Wie kann man die Attraktivität der Vision erhöhen? Wie können wir unsere Position verteidigen? Das wird nicht einfach, da alleine durch die Besucherzahlen und das Wachstum in Fernost Shanghai klare Vorteile hat. Wir müssen daran arbeiten, dass mit intelligenten Konzepten und Kooperationen die Attraktivität der Vision weiterhin hoch bleibt, sodass wir auch zukünftig von der ‚Weltleitmesse der Bildverarbeitung‘ sprechen können.

Kann sich ein Bildverarbeiter zukünftig technisch noch von seinen Wettbewerbern abheben oder werden andere Faktoren wichtiger?

Noffz: Derzeit heben sich Kamerahersteller vornehmlich über den Preis ab, vielleicht noch wer die neuesten Sensoren am schnellsten integriert. Industrie 4.0 wird aber enorme Ansprüche an die Variabilität von Inspektionsaufgaben haben. Mit OPC Vision wird es möglich sein, mit Kameras, die hochspezialisierte Inspektionsaufgaben direkt lösen, zu arbeiten. Die Kameras haben dabei keine vollständige Aufgabe mehr, sondern müssen verschiedene Inspektionsaufgaben einfach und schnell lösen, und zudem sehr flexibel und schnell vernetzbar sein. Dadurch habe ich auch völlig andere Differenzierungsmöglichkeiten, da sich diese Produkte stark von den heutigen Sensoren aus der Industrieautomation abheben.

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Ausgabe:
VDMA e.V.
www.vdma.org

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