60.000 Artikel

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Bild: Sereact GmbH

Die MS Direct ist eine Fulfillment- und Logistikdienstleisterin mit Hauptsitz in St. Gallen, Schweiz. Seit 1978 unterstützt das Unternehmen Onlinehändler mit skalierbaren Lösungen in den Bereichen E-Commerce-Fulfillment, Cross-border-Logistik und Retourenmanagement. Mit über 600 Mitarbeitenden an mehreren Standorten in der Schweiz, Deutschland und Großbritannien verarbeitet die Firma jährlich mehr als 32 Millionen Artikel und bearbeitet rund 17 Millionen Retouren. Das Unternehmen bietet umfassende Dienstleistungen, darunter Lagerung, Kommissionierung, Versand, Retourenabwicklung und digitale Lösungen, die speziell auf die Anforderungen von nationalen und internationalen Onlinehändlern zugeschnitten sind.

Artikelvielfalt erschwerte Automatisierung

Als 3PL-Dienstleister betreibt MS Direct an mehreren Standorten in der Schweiz und in Süddeutschland hochfrequentierte Fulfillment-Center für namhafte Marken aus dem E-Commerce. Im größten Lager in Arbon (Schweiz) ist ein AutoStore-System von Kardex mit über 60.000 verschiedenen SKUs im Einsatz. Diese große Artikelvielfalt stellte die weiteren Automatisierungsschritte im Pick-Bereich vor eine große Herausforderung. Viele der zahlreichen Artikel, welche über unterschiedliche Größen, Verpackungen und Oberflächen verfügten, waren dem erstgetesteten Pickroboter unbekannt, weshalb nicht die gewünschte Performance und Flexibilität erreicht wurde. Aus diesem Grund erfolgte die Kommissionierung bislang überwiegend manuell an acht der neun Ports. Mit dem Anspruch, sich als führenden Techplayer im europäischen E-Commerce zu etablieren, suchte MS Direct daher nach einer Technologie, die dieser Herausforderung gewachsen ist und unterschiedlichste Artikel ohne aufwendiges Anlernen verarbeiten kann. Ziel war es, einfache, repetitive Tätigkeiten zu automatisieren, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig auch in der Nacht produktiv arbeiten zu können.

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Bild: Sereact GmbH

Unbekannte Artikel verarbeiten

Der Weg zur Zusammenarbeit mit Sereact begann über einen bestehenden Kontakt: Luca Graf, CEO von MS Direct, kannte den Stuttgarter Softwareentwickler bereits aus einem früheren Austausch. Im Rahmen einer Evaluationsphase wurde die Lösung von Sereact mit anderen am Markt verfügbaren Systemen verglichen und schlussendlich ausgewählt. Ausschlaggebend war vor allem das Potenzial der KI-basierten Steuerung, neue und unbekannte Artikel ohne vorherige Datenerfassung verarbeiten zu können. Zum Einsatz kam eine Pick&Place-Lösung, die einen der neun vorhandenen AutoStore-Ports automatisiert. Die Software analysiert jedes Objekt visuell in Echtzeit, erkennt relevante Merkmale wie Form, Material oder Farbe und wählt selbstständig die geeignete Greifstrategie. Dabei nutzt das Unternehmen ein KI-gesteuertes Vision Language Action Model (VLAM), das unterschiedliche Pick-Strategien ohne manuelles Anlernen anwendet. „Die Implementierung verlief bemerkenswert schnell“, erinnert sich Marc Messerli Vice President Fulfillment bei MS Direct. „Innerhalb weniger Wochen war das System installiert, integriert und produktiv – rechtzeitig vor dem Start der Hochsaison“.

Mit KI auch nachts performen

Der Roboter verarbeitet heute selbständig rund 1.500 Single-Pick-Aufträge am Tag. Besonders effektiv zeigt sich die Lösung in der Nachtverarbeitung: Während die AutoStore-Anlage bislang nur tagsüber genutzt wurde, übernimmt der Roboter nun in den Nachtstunden die Vorbereitungsarbeit für den kommenden Tag. Zudem wurde ein zentrales Ziel erreicht: Einfache und repetitive Tätigkeiten konnten erfolgreich automatisiert werden. Die Mitarbeitenden werden gezielt dort eingesetzt, wo menschliche Erfahrung gefragt ist, etwa bei komplexeren Kommissionierungen. Zusätzlich profitiert MS Direct von weniger Fehlgriffen, einer reduzierten Fehleranfälligkeit im AutoStore sowie einer höheren Prozesssicherheit. Auch wirtschaftlich rechnet sich der Einsatz: Bereits nach rund neun Monaten war der Return on Investment erreicht,- eine Benchmark, die durch die hohen Lohnkosten im Schweizer Markt zusätzlich begünstigt wurde. „Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Sereact motiviert uns zum schrittweisen Ausbau des automatisierten Pickings an weiteren Ports am Standort Arbon“; fasst Messerli zusammen.