
Die ‚Conference for Hyperspectral Imaging in Industry‘ verdeutlichte einmal mehr die zunehmende industrielle Relevanz hyperspektraler Bildgebung und bot eine Plattform für den Austausch zwischen Technologieanbietern, Forschungseinrichtungen und Anwendern aus unterschiedlichsten Branchen. In insgesamt 42 Fachvorträgen, drei Keynotes, Live-Demonstrationen, einer begleitenden Ausstellung sowie strukturierten Matchmaking-Sessions diskutierten die Teilnehmer aktuelle Entwicklungen und praxisnahe Anwendungen – von Qualitätskontrolle und Recycling über Landwirtschaft und Biomedizin bis hin zu Defense.
Tag 1: Von Grundlagen bis Hardware-Integration
Die Konferenz startete mit einer marktbezogenen Session zu aktuellen Anforderungen der Spectral-Imaging-Branche, neuen Marktentwicklungen sowie der Rolle von KI bei Anomalieerkennung und Entscheidungsfindung. Vorträge zeigten, wie sich hyperspektrale Bildgebung zunehmend vom Forschungslabor in skalierbare Industrieanwendungen entwickelt – etwa in der Halbleiterfertigung, bei erneuerbaren Energien oder durch OEM-fähige Kameratechnologien. Ein Höhepunkt des ersten Tages war die Industrie-Keynote von Matthias Kerschhaggl (Headwall) mit dem Titel ‚From Principles to Practice: The Industrial Journey of Hyperspectral Imaging‘, die die Entwicklung der hyperspektralen Bildgebung von einem Forschungskonzept hin zu einem industriellen Werkzeug nachzeichnete. Weitere Sessions widmeten sich Sensorinnovationen und photonischen Technologien, darunter neue SWIR-Sensoren, kompakte multispektrale Imager und Kameraplattformen der nächsten Generation. Auch biomedizinische Anwendungen standen im Fokus. In seiner Keynote ‚Predicting Brain Health: The Power of Retinal Scans‘ zeigte Eliav Shaked (RetiSpec), wie spektrale Bildgebung künftig zur Früherkennung neurologischer Erkrankungen und zur Bewertung der Gehirngesundheit beitragen könnte.
Tag 2: Daten, KI und Anwendungen
Am zweiten Konferenztag rückten KI, Softwareintegration und Echtzeitverarbeitung stärker in den Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem hyperspektrale Bildgebung in Standard-Machine-Vision-Software, KI-gestützte Wellenbandauswahl für Anwendungen der Kreislaufwirtschaft sowie Ansätze, hyperspektrale Technologien kostengünstiger und leichter zugänglich für industrielle Anwender zu machen. Weitere Vorträge befassten sich mit Kalibrierung, Standardisierung und der Interoperabilität von Hard- und Software als zentrale Voraussetzungen für den zuverlässigen Einsatz in Produktionsumgebungen. Die abschließende Keynote von Philippe Monnoyer (VTT), ‚HSI for Defense: the visible part of the iceberg‘, beleuchtete neue Defense-Anwendungen der hyperspektralen Bildgebung – von Materialidentifikation bis hin zu erweiterten Möglichkeiten der Lageerfassung. Praxisnahe Demonstratoren verdeutlichten darüber hinaus die Bandbreite heutiger Einsatzfelder, darunter UAV-gestützte Echtzeitanalyse, Combat Identification, Kulturgütererhaltung, Insektenproduktion für die Circular Economy sowie FPGA-basierte Echtzeitverarbeitung hyperspektraler Daten.
Autor: Bastian Fitz
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