
inVISION: Herr Steinhuber, können Sie uns das Messprinzip von ReflectControl kurz erläutern?
Konrad Steinhuber: ReflectControl basiert auf dem Prinzip der Deflektometrie. Hierbei stellen wir auf einem Monitor ein sinusförmiges Streifenmuster dar. Das Muster wird auf der Oberfläche der Karosserie reflektiert, die Reflexion wiederum von Kameras im Sensor aufgenommen. In den aufgenommenen Bildern zeichnen sich Kontraste ab und daraus lassen sich Fehler bzw. Defekte im Lack erkennen. Diese lassen sich in 3D rekonstruieren, klassifizieren und am Monitor im CAD-Bild der Karosse darstellen. Hiermit können Automobilhersteller die Fehler auswerten und für Analysen heranziehen.
inVISION: Worin liegt die Innovation bei dem System?
Steinhuber: Für die Inspektion von Karosserien gibt es bislang beleuchtete Tunnel, in denen geschultes Fachpersonal die Karosserien manuell auf Fehler inspiziert. Oder es werden Systeme mit statischen Sensoren eingesetzt, durch die sich die Karosserie hindurchbewegt. In beiden Fällen ist jedoch mit großen (Positions-)Toleranzen und geringen Erkennungsleistungen zu rechnen. Mit ReflectControl wird die Karosserie in eine fixe Messposition gefahren und die Sensoren darüber hinwegbewegt. Hierzu befestigen wir je einen Sensor an einem Roboter. Pro Station können je nach gewünschter Taktzeit zwei bis vier Roboter arbeiten. Hiermit können Fahrzeughersteller bis zu 50% mehr Fehler als bei den beiden erstgenannten Möglichkeiten finden und verfügen zudem über eine große Datenbasis. Erwähnenswert ist auch unser Carbon-Gehäuse, mit dem wir das Gesamtgewicht des Sensors auf unter 50kg reduzieren. Außerdem konnten wir die effektive abgedeckte Fläche pro Messposition um 30% erhöhen. Das führt zu kürzeren Taktzeiten oder weniger eingesetzten Robotern.
inVISION: Welche Herausforderungen bringt die Lackfehlerinspektion in der Automobilproduktion generell mit sich?
Steinhuber: Beim Inspizieren und Bearbeiten von Defekten auf Karosserien werden knapp 40% der Defekte nicht erkannt. Je heller die Farbe ist, desto schlechter ist das manuelle Ergebnis. Zudem ist die Aufgabe sehr ermüdend und viel hängt von der Erfahrung des Mitarbeiters ab. Selbst wenn die Mitarbeiter alle Fehler finden würden, fehlen quantifizierbare Informationen hierzu – zumindest stehen diese nicht in dem Umfang bereit, wie es heute für Analysen nötig ist.
inVISION: Wie funktioniert die Inspektion mit ReflectControl?
Steinhuber: Mit ReflectControl vermessen wir das Fahrzeug in verschiedenen Messpositionen. Das geschieht über sinusförmige Phasenbilder, über die wir sogenannte Kernel-Bilder berechnen. Die werden mit einem Auswertealgorithmus auf Defekte abgesucht. Erkannte Defekte werden auf die Karosse rückprojiziert und können mit Hilfe der Koordinaten über eine Lasermarkierung, die wir zusammen mit Virtek Vision umsetzen, dargestellt werden. Zudem sammeln wir alle aufgenommenen Daten und legen sie in einem File ab. Wir rekonstruieren die Defekte in 3D und bestimmen zusätzliche Merkmale. Beispielsweise die Höhe und Tiefe sowie das Volumen eines Defekts. Hat das System einen Fehler erkannt, projiziert das System den Defekt automatisch auf die Karosse. So kann das geschulte Fachpersonal den Defekt ablesen und abarbeiten.

















