Warum sind Polarisationskameras noch nicht der große Erfolg?
Sony Semiconductor hat mit den IMX250/253 Sensor den flächendeckenden Einsatz der Polarisationstechnologie für die industrielle Bildverarbeitung ermöglicht. Schnell hatten zahlreiche Kamerahersteller den Chip in ihren Kameras integriert. Seitdem ist es aber ruhig um das Thema geworden. inVISION hat bei drei Kameraherstellern nachgefragt.

Muss sich noch in der Breite durchsetzen
Autor: Oliver Senghaas, Marketingleitung, IDS Imaging Development Systems GmbH

Kontinuierliches Wachstum
Autor: Torsten Wiesinger, General Manager EMEA, Lucid Vision Labs GmbH
Lucid war einer der Pioniere bei der Einführung der Polarisationstechnologie für Industriekameras. Bereits im Januar 2018 wurde die erste Phoenix-Kamera mit dem Sony IMX250MZR-Sensor vorgestellt. Wir haben erkannt, dass diese Sensortechnologie zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten über den sichtbaren Bereich hinaus bieten kann. Damit konnten unsere Kunden Problemstellungen in der Bildverarbeitungen lösen, die mit herkömmlichen CMOS-Sensoren nicht oder nur mit höherem Aufwand möglich waren. Somit konnte Lucid mit der auf Sony Technologie basierten Polarisationskamera viele Erstanwender gewinnen. Insbesondere diejenigen, die bereits traditionell Kameras mit Polarisationsfiltern verwendeten, fanden sich schnell mit den Kameras zu recht. Im Laufe der Jahre hat Lucid viel Erfahrung aus unterschiedlichsten Polarisationsanwendungen an seine Kunden weitergeben können. Dank dessen konnten wir Jahr für Jahr ein kontinuierliches Wachstum mit dieser Technologie verzeichnen. Es gibt noch viele Anwendungen in der Industrie, ITS und Sicherheit, welche von Polarisation profitieren können. Einige unserer Erstanwender sind mittlerweile dabei ihre Polarisationsanwendungen in Serie zu produzieren. Ebenso werden wir in Zukunft ´neue´ Anwendungen außerhalb der klassischen industriellen Bildverarbeitung sehen können. In der Zwischenzeit haben wir kostengünstigere Polarisationskameras mit den Sony IMX264MZR/MYR-Sensoren eingeführt und bietet diese auf den beiden Kameraplattformen Phoenix und Triton an.

Interessanter Lösungsansatz
Autor: Xing-Fei He, Senior Product Manager, Line scan imaging, Teledyne Dalsa
Teledyne brachte bereits 2017 die branchenweit erste Zeilenkamera mit Polarisationsfiltern auf den Markt. Die High-Speed-Kamera basierte auf unseren eigenen Quad-Linear-CMOS-Bildsensoren und verfügt über drei native Polarisationszustände sowie einen ungefilterten Kanal. Diese Polarisatoren auf Pixelebene wurden anstelle eines herkömmlichen mechanischen Schaltens auf der Sensorebene angewendet, wodurch die Kamera mehrere Bilder von Polarisationszuständen in einer einzigen Aufnahme erfassen konnte. Leider hatte die Technologie Einschränkungen hinsichtlich des Extinction Ratio, was die Implementierung für anspruchsvollere Erkennungsanwendungen zu einer Herausforderung machte. Teledyne Imaging setzt in seiner Kamera Genie Nano M2450 Polarized jedoch weiterhin auf Polarisationsfilter. Die Technologie der Polarisation ist ein interessanter und von Teledyne Imaging weiterhin verfolgter Lösungsansatz für Anwendungen zur Erkennung von Spannungen, Oberflächenrauheiten, Filmdicken, Materialzusammensetzungen oder von 3D-Profilen. Teledyne Imaging entwickelt sein Angebot an Standardprodukten mit polarisiertem Licht aus diesem Grund kontinuierlich weiter.

















