Von der Kamera zur Applikation

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Seit der Zusammenführung der verschiedenen Marken hat sich bei Allied Vision einiges weiterentwickelt. Welche Schritte haben den Weg zu One Allied Vision bisher am stärksten geprägt?

Zitate
Bild: Allied Vision Technologies GmbH

Robert Franz: Der entscheidende Schritt war der Übergang von fünf separaten Marken und Herstellern zu einem einheitlichen One-Stop-Shop mit einem integrierten Produktportfolio, von Optik und Beleuchtung über Sensor und Kamera bis zu Framegrabber und Software. Heute gibt es für das gesamte Ökosystem einen Vertriebszugang, ein gemeinsames Produktmanagement und abgestimmte Roadmaps. Statt paralleler Entwicklungen bündeln wir Kompetenzen an unseren Standorten. Ein weiterer Meilenstein ist die konsequente Harmonisierung der Software- und Schnittstellenwelt. Der Kunde profitiert davon direkt: Ein Ansprechpartner, ein Vertrag, eine Lieferkette.

Zu Beginn stand die Zusammenführung der Marken im Mittelpunkt. Wie ist daraus Schritt für Schritt ein integriertes Machine-Vision-Ökosystem entstanden und was bedeutet ‚Seamless Integration‘ konkret?

‚Seamless Integration‘ ist kein Marketingbegriff, sondern ein Systemversprechen. Früher mussten Kunden Komponenten von verschiedenen Anbietern qualifizieren, kaufen und selbst zusammenfügen. Sie trugen den Integrationsaufwand und das Risiko. Heute liefern wir aufeinander abgestimmte, gemeinsam getestete Produkt-Sets. Die Kompatibilität ist zugesichert. Im Fehlerfall gibt es einen einzigen Support-Kanal für die gesamte Kette. Der Kunde kauft also weniger Integrationsarbeit, weniger Komplexität und weniger Risiko, nicht einfach nur mehr Teile.

Wie verändert der gemeinsame Technologieansatz die Entwicklung neuer Produkte und werden neue Technologien heute von Beginn an als Teil des Ökosystems entwickelt?

Absolut. Neue Technologien werden heute cross-funktional geplant. Dazu gehören eine gemeinsame Software und integrierte Entwicklungsumgebung ebenso wie ein konsequentes Alignment unserer Roadmaps und zentralen Technologiebausteine. Auch Testing und Validierung betrachten wir zunehmend auf Systemebene. Unser Ziel ist ein durchgängiges Angebot aus einer Hand. Das beste Beispiel ist unser SWIR-Portfolio: Hier greifen Sensor-, Kamera-, Optik- und Beleuchtungskompetenz sowie Software in einem einzigen Projekt ineinander. Dies wäre für einen ehemaligen Einzelbetrieb nicht in dieser Produkttiefe möglich gewesen. Auch bei Inline-Inspektion oder Embedded-Vision entwickeln wir kompatible Sets – etwa eine Zeilenkamera, ein CoaXPress-Frame-Grabber und abgestimmte Beleuchtung, die nachweislich zusammenpassen. Der gemeinsame SDK-Ansatz ermöglicht es Entwicklern, von Flächen- zu Zeilenkamera, von GigE zu CoaXPress zu wechseln, ohne die Applikation neu zu schreiben. Damit kann der Kunde die technisch beste Kamera wählen statt der, die zu seinem bestehenden Code passt.

Welche nächsten Schritte stehen an, um das Produktportfolio weiter auszubauen?

Wir werden die Integration von Euresys abschließen und damit unsere Deep-Learning- und Bildverarbeitungswerkzeuge noch stärker in das Ökosystem einbetten. Parallel bauen wir das Portfolio an integrierten, anwendungsspezifischen Produkt-Bundels mit neuen Mid-Range-Plattformen für Area-Scan und Line-Scan aus, besonders im Bereich High-End-Flächenkameras für anspruchsvolle Semiconductor-Anwendungen. Außerdem investieren wir gezielt in innovative Technologien im Bereich Beyond Visible, z.B. in neue SWIR-Kameramodule auf Basis von QDI-Technologie. Wichtig bleibt dabei die System-Offenheit: Wir halten uns strikt an GenICam und GenTL. Wir bauen keine geschlossene Welt, sondern offene Produktplattformen, die Investitionsschutz bieten und Software-Entwicklung über Produktgenerationen hinweg tragfähig machen.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wofür soll Allied Vision in den nächsten Jahren stehen?

Allied Vision wird in den nächsten Jahren der verlässliche Bildverarbeitungsexperte sein, der den Weg von der Kamera zur Applikation ebnet, und das ohne Integrationshürden. In regulierten Branchen wird Compliance und eine transparente Lieferkette zunehmend zum Ausschlusskriterium; hier wollen wir Vorreiter sein. Unser Ziel ist es, dass sich Kunden auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können: die Entwicklung ihrer Applikation. Dank unseres integrierten One-Stop-Shop-Ökosystems nehmen wir ihm Integrationsaufwand ab und beschleunigen die Realisierung seiner Anwendung. Das ist der Unterschied zwischen einem Lieferanten und einem echten Partner.