Was bedeutet der Chipmangel für die Visionbranche?

Europa könnte an Bedeutung verlieren

Jürgen Hartmann, Geschäftsführender Gesellschafter, IDS Imaging Development Systems GmbH

Die Auswirkungen des Chipmangels sind weitaus schwerwiegender, als es über die Medien aktuell kommuniziert wird. Jürgen Hartmann, IDS (Bild: IDS Imaging GmbH)

Die Auswirkungen des Chipmangels sind weitaus schwerwiegender, als es über die Medien aktuell kommuniziert wird. Jürgen Hartmann, IDS (Bild: IDS Imaging GmbH)

Angesichts von News-Meldungen wie ‚Beste Auftragslagen‘ oder ‚Überraschend starke Nachfrage nach deutschen Produkten‘ könnte man meinen, dass die Weltwirtschaft kaum noch am Rohstoff- bzw. Chipmangel leidet und Lieferengpässe der Vergangenheit angehören. Doch die Ernsthaftigkeit der aktuellen Situation wird von der deutschen Presse nicht ausreichend kommuniziert, denn die Auswirkungen sind bei unseren Kunden noch nicht gänzlich angekommen. Die nebenbei in einer Randnotiz erwähnte Kurzarbeit in der Automobilindustrie zeigt nicht die Gefahr auf, die den gesamten Maschinen- und Anlagenbau und damit den deutschen Mittelstand betrifft.

Es ist richtig, dass die Auftragslage aktuell auch in der Vision Branche überdurchschnittlich gut ist. Leider können diese Aufträge nicht bearbeitet und ausgeliefert werden. Das hat zur Folge, dass die Unternehmen keine Umsätze erwirtschaften. Dies wird Kurzarbeit und im schlimmsten Fall weitere Insolvenzen von Firmen zur Folge haben. Europa könnte damit mehr und mehr an Bedeutung als Lieferant von Komponenten verlieren. Nordamerika und Asien spielen dagegen eine immer größere Rolle. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt kommt noch die zusätzliche Belastung der Mitarbeiter in den Bereichen Einkauf und Auftragsabwicklung hinzu. Aufträge, die bisher geradlinig abgearbeitet werden konnten, müssen jetzt unter Umständen mehrfach geprüft und aktualisiert werden, um Liefertermine zu verschieben oder Teillieferungen festzulegen. Infolgedessen ist die Gefahr von übermäßigen psychischen Belastungen in diesen Bereichen überdurchschnittlich groß.

Nach anfänglichen Lieferverzögerungen nennen uns die Chiphersteller inzwischen gar keine Liefertermine mehr bzw. ihre Lieferzusagen reichen bis ins Jahr 2022 und teilweise sogar 2023. Wenn wir heute nicht wissen, ob und wann wir Ware erhalten, können wir auch unseren Kunden keine verbindlichen Zusagen machen. Das betrifft leider mittlerweile viele unserer Produkte.

Was können wir als Unternehmen tun, um die Situation zu entschärfen? Wir bei IDS sind täglich in Kontakt mit allen relevanten Lieferanten, um eventuelle Engpässe frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Unsere Entwicklungs- und Einkaufsabteilungen arbeiten daran, alternative Bauteile und Lieferanten zu identifizieren, freizugeben und einzusetzen, um weiterhin möglichst zuverlässige Liefertermine und wettbewerbsfähige Lieferzeiten zu garantieren. Unseren Kunden raten wir, größere Mengen und Rahmenaufträge frühzeitig mit uns zu besprechen und langfristig zu planen, um gemeinsam alle Optionen und gegebenenfalls alternative Produkte auf Verfügbarkeit prüfen zu können. Die Auswirkungen des Chipmangels sind weitaus schwerwiegender, als es über die Medien aktuell kommuniziert wird. Und wir sind keinesfalls über den Berg. Ein transparenter Informationsfluss und enge Zusammenarbeit mit den Kunden ist notwendig, um Folgeschäden für Industrie und Wirtschaft entgegenzuwirken. www.ids-imaging.de

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