
Wie kam es zur Gründung von Photonfocus?
Peter Schwieder (PS): Ziel war es, die damals noch junge CMOS-Bildsensortechnologie für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen und leistungsfähige Industriekameras für anspruchsvolle Bildverarbeitungsaufgaben zu entwickeln. Bereits in den ersten Jahren konzentrierte sich Photonfocus auf die Entwicklung innovativer CMOS-Sensoren mit Global-Shutter-Technologie. Ein wichtiger Meilenstein war die Entwicklung der patentierten LinLog-Technologie. Diese ermöglichte eine außergewöhnlich hohe Dynamik in Bildsensoren und eröffnete neue Einsatzmöglichkeiten in Anwendungen mit schwierigen Lichtverhältnissen. In den folgenden Jahren wurde das Portfolio kontinuierlich erweitert. Ab 2007 begann dann eine Phase der organisatorischen Weiterentwicklung. Neue Eigentümerstrukturen, ein Ausbau der internationalen Vertriebsaktivitäten und Investitionen in F&E schufen die Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Parallel dazu entwickelten wir neue Technologien für 3D-Bildverarbeitung, NIR-, UV-, SWIR- und Hyperspektralkameras.
Was hat sich seit der Akquisition 2019 durch Isra Vision (jetzt Atlas Copco) getan?
Marco Reiter-Waßmann (MRW): Seit der Übernahme hat sich Photonfocus von einem spezialisierten Anbieter industrieller Bildsensor- und Kameratechnologie zu einem noch stärker in globale Machine-Vision- und Automatisierungslösungen eingebundenen Unternehmen entwickelt. Die Akquisition erfolgte mit dem Ziel, das bestehende Portfolio von Isra Vision im Bereich industrielle Bildverarbeitung, um leistungsfähige Kameratechnologien und Sensorkompetenzen zu ergänzen. Gleichzeitig erhielt Photonfocus Zugang zu einer deutlich breiteren internationalen Kundenbasis sowie zu den Ressourcen eines weltweit agierenden Industriekonzerns. Während Photonfocus zuvor weitgehend eigenständig agierte und sich vor allem auf die Entwicklung von Industriekameras, CMOS-Sensortechnologien und kundenspezifischer Bildverarbeitungslösungen konzentrierte, ist das Unternehmen heute Teil einer umfassenden Wertschöpfungskette für industrielle Inspektions- und Automatisierungssysteme. Die Technologien von Photonfocus können dadurch stärker mit den Lösungen von Isra Vision kombiniert werden. Dies ermöglicht die Entwicklung integrierter Gesamtlösungen, die Kunden einen höheren Mehrwert bieten als einzelne Hardwarekomponenten. Gleichzeitig sind aber die grundlegenden Stärken von Photonfocus erhalten geblieben. OptoMedias ultrakompaktes Mini SFF bringt zuverlässige, schnelle Glasfaserverbindungen in Industriekameras der nächsten Generation. ‣ weiterlesen
Fiber Mini SFF für GigE Vision
Photonfocus hat den Ruf, qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln, die einen höheren Preis haben; stimmt das?
PS: Wir sehen unser Portfolio im Wesentlichen in drei Segmente aufgesplittet: Dies sind zum einen 3D-Kameras für Lasertriangulations-Anwendungen. Diese Produkte bieten mit flexibel anpassbaren hauseigenen Algorithmen, sowie kleinen Bauformen ein spannendes Portfolio. In diesem Bereich sind wir in Bezug auf Preis/Leistung sehr wettbewerbsfähig. Das zweite Segment besteht aus Kameraplattformen für UV- und SWIR-Applikationen. Hier bieten wir im UV-Segment bisher am Markt nicht vorhandene Features, wie ein hermetisch abgeschlossenen UV-Sensor für Applikationen mit hoher Lichtintensität, wie z.B. in der Anwendung von UV-Lasern. Zudem sind diese Kameras aufgrund der kurzen Wellenlängen auch ideal, um kleinste Kratzer auf hochwertigen Oberflächen zu detektieren. Im Bereich der SWIR-Kameras bieten wir Lösungen in Verbindung mit unterschiedlichen Sensoranbietern. Auch in diesem Bereich haben wir für nahezu alle Applikationen ein attraktives Angebot mit vielen Optionen die Komponenten perfekt auf die jeweilige Applikation anzupassen. Im Segment der 2D-Kameras im sichtbaren Spektrum haben wir eine modulare Kameraplattform, mit der wir viele Sonderwünsche für die optimale Anpassung an die Applikation bieten. Wenn der Kunde hier ’nur‘ eine einfache GigE Kamera benötigt, sind wir mit der aktuellen Plattform aber etwas über den üblichen Preisen unserer Marktbegleiter. Dies liegt im Wesentlichen an der modularen Bauform und den etwas geringen Stückzahlen im Vergleich zu unseren größeren Marktbegleitern. Hier planen wir für die Zukunft eine bessere Wettbewerbsfähigkeit mit neuen innovativen Ideen, um auch mit etwas kleineren Stückzahlen zu attraktiven Preisen anbieten zu können.
















