Mehr Flexibilität

Bild 1 | Rosenberger bietet robuste HF-Kabellösungen für die Integration industrieller Kamerasysteme.
Bild 1 | Rosenberger bietet robuste HF-Kabellösungen für die Integration industrieller Kamerasysteme.Bild: Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG

Ein Treiber dieser Entwicklung sind steigende Anforderungen an Prozessdynamik und Echtzeitfähigkeit. In hochautomatisierten Fertigungslinien müssen sich kamerabasierte Systeme präzise in vorgegebene Taktzyklen integrieren. Deterministische, minimale Latenzen sind dabei essenziell – insbesondere dann, wenn Bilddaten unmittelbar zur Steuerung nachgelagerter Prozessschritte genutzt werden. In Anwendungen mit bewegten Systemen, etwa in der Robotik, steigen diese Anforderungen zusätzlich. Wenn ein Roboterarm Bauteile für eine Inline-Inspektion anfahren und positionieren muss, sind geringe Latenzen entscheidend für Präzision, Taktzeit und Prozessstabilität. Klassische Übertragungskonzepte mit getrennter Energie- und Datenführung stoßen hier zunehmend an ihre Grenzen. Sie erhöhen die Systemkomplexität, erfordern zusätzlichen Bauraum und sind für dynamische Anwendungen sowohl hinsichtlich mechanischer Belastbarkeit als auch in Bezug auf Integrations- und Installationsaufwand sowie Betriebs- und Ausfallsicherheit nur eingeschränkt geeignet.

Bild 2 | Die HySpeedVision-Kabelassemblies zeichnen sich durch eine hohe Torsionsbeanspruchbarkeit und Eignung für enge Biegeradien aus.
Bild 2 | Die HySpeedVision-Kabelassemblies zeichnen sich durch eine hohe Torsionsbeanspruchbarkeit und Eignung für enge Biegeradien aus.Bild: Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG

Offenheit für Protokollvielfalt

Machine Vision-Anwendungen sind durch eine hohe Diversität geprägt. Entsprechend müssen Schnittstellen flexibel und protokolloffen ausgelegt sein. Hybride Steckverbindersysteme tragen dieser Anforderung Rechnung und unterstützen eine Vielzahl etablierter Übertragungsstandards. Im Fokus stehen insbesondere SerDes-Technologien (Serializer/Deserializer), die parallele Datenströme in hochperformante serielle Signale überführen. Im Gegensatz zu netzwerkbasierten Ethernet-Lösungen ermöglichen sie deterministische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit minimaler Latenz, ein entscheidender Vorteil für Echtzeitanwendungen und dynamische Bewegungsprofile. Zu den etablierten Standards zählen u.a. GMSL, FPD-Link, Apix sowie ASA Motion Link. Sie ermöglichen Datenraten im zweistelligen Gigabit-Bereich über Distanzen von mehr als 10m und sind damit für anspruchsvolle industrielle Anwendungen prädestiniert. Die physikalische Umsetzung hybrider Systeme erfolgt durch die Trennung von Energie- und Datenpfaden innerhalb eines Kabels. Dedizierte Powerleiter stellen die Versorgung von Kamera und Peripherie sicher, während differenzielle Highspeed-Leitungspaare eine störsichere Datenrate im Gigabit-Bereich ermöglichen.

Bild 3 | Die HySpeedVisionVerbindungslösung: DC bis 3,5GHz und bis zu 12Gbit/s
Bild 3 | Die HySpeedVisionVerbindungslösung: DC bis 3,5GHz und bis zu 12Gbit/sBild: Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG

Hohe Anforderungen in der Industrierobotik

Mit zunehmender Automatisierung steigen auch die Ansprüche an die Verbindungslösung. Neben elektrischen Parametern rücken mechanische Eigenschaften stärker in den Fokus. In der Industrierobotik sind insbesondere Schleppkettentauglichkeit und Torsionsfestigkeit auf der Kabelseite gefragt. Zudem müssen Verbindungslösungen unter anspruchsvollen Umgebungsbedingungen zuverlässig funktionieren und entsprechende Schutzarten bis hin zu IP67 erfüllen. Erweiterte Temperaturbereiche, robuste Gehäusekonzepte und eine hohe elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) sind daher essenziell. Industrielle Anwendungen profitieren zunehmend von Technologien aus der Automobilindustrie, etwa hinsichtlich Schirmkonzepten und Serienreife. Hybride Steckverbindersysteme kombinieren diese Anforderungen und ermöglichen eine robuste, kompakte und gleichzeitig leistungsfähige Übertragungslösung, auch unter dynamischen Belastungen.

Design-Unterstützung als Erfolgsfaktor

Mit steigenden Datenraten rückt die Hochfrequenztechnik stärker in den Fokus der Systementwicklung. Aspekte wie kontrollierte Impedanz, Signalintegrität sowie minimierte Reflexionen und Verluste müssen bereits im Design berücksichtigt werden. Daher gewinnt die enge Zusammenarbeit zwischen Komponentenhersteller und Systementwickler an Bedeutung. Design-In-Unterstützung, Simulationen und elektromagnetische Feldanalysen helfen dabei, den gesamten Übertragungspfad – vom Steckverbinder über das Kabel bis hin zur Leiterplatte – optimal auszulegen. Insbesondere im Kontext von Miniaturisierung und steigender Integrationsdichte wird diese ganzheitliche Betrachtung zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

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