Hilfe! Mein Chef ist ein KI-Klon!

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Bild: ©Brian/stock.adobe.com

Es gehört vermutlich zu den ältesten Träumen der Menschheit, den eigenen Tod irgendwie zu überlisten oder ihn, wenn überhaupt, dann erst sehr spät an sich herankommen zu lassen. Früher bauten sich Herrscher Pyramiden, heute lassen sich Milliardäre kryokonservieren oder investieren in die Erfindung fantastischer Raumfahrtprogramme mit Zeitreisen in die galaktische Unsterblichkeit.

Die Gegenwart scheint nun eine deutlich praktischere Lösung hervorgebracht zu haben: Wenn der Mensch als göttliches, aber leider unvollkommenes Geschöpf der Natur schon nicht unsterblich werden kann, dann vielleicht wenigstens seine konservierte Persönlichkeit. Dank KI ist das Fortleben des eigenen Ichs keineswegs mehr eine Utopie. Tatsächlich unterstützt die rasante Entwicklung von KI zunehmend den verzweifelt-pragmatischen Versuch führender Köpfe aus Wirtschaft und Technologie, sich selbst zu digitalisieren, zu konservieren und damit irgendwie zu verewigen. Warum sollte ein CEO auch akzeptieren, dass seine Gedanken, Entscheidungen und Managementweisheiten eines Tages einfach verschwinden, wenn man sie stattdessen in einen KI-Klon überführen kann und damit der Welt noch lange erhalten bleibt?

Die Geburtsstunde des CEO-Klon

Immer öfter ist von den KI-Errungenschaften großer Tech-Kolosse zu lesen, die nicht müde werden, KI vor allem als Erlöserin der Menschen von stupider und sinnentleerter Arbeit in Unternehmen zu sehen. Denn erst wenn KI es schafft, dem Menschen sämtliche Arbeit abzunehmen, ist er endlich frei. Spätestens jetzt muss man allerdings anfangen, groß zu denken – denn zur vollkommenen Erlösung und Befreiung des Menschen von der ihn peinigenden Arbeitslast benötigt man die große Unternehmenssteuerungsmaschine. Man hätte es sich denken können: Nur was wirtschaftlichen Nutzen erzeugt, wird eines Tages auch dem Gemeinwohl dienen können.

Wie müssen wir uns nun KI als große Unternehmenssteuerungsmaschine vorstellen? Da gibt es bereits populäre Gegenwartsbeispiele, die bei der Führung von Unternehmen beginnen. So konnte man unlängst erfahren, dass sich die Geschäftsführer großer Unternehmen wie Zoom und Klarna von ihren eigenen KI-Klonen vertreten lassen, etwa bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Aber einer macht vor, wie der Traum der digitalen Duplizierung des Selbst real werden kann: So berichtet die Financial Times in ihrer Ausgabe vom 13. April 2026, dass Mark Zuckerberg in seinem Konzern Meta den Zuck-Bot entwickeln lässt. Dieser soll so denken und fühlen wie Mark Zuckerberg selbst, Entscheidungen ganz in seinem Sinne treffen und ihn ersetzen oder, genauer gesagt, multiplizieren können. Die Einarbeitung seiner automatisierten Version übernimmt er natürlich selbst – ebenso die Fütterung des Zuck-Bot mit seinen Daten, Fotos, Videos, Strategien, Gedanken, E-Mails und Entscheidungen.

Der praktische Einsatz und Nutzen des geklonten CEOs – und das betrifft zukünftig jeden CEO eines jeden Unternehmens auf dieser Welt – ist nicht nur sonnenklar, sondern ebenso verlockend: Alle Angestellten im gesamten Unternehmen können den CEO – pardon: den digitalen Zwilling des CEOs – jederzeit um Rat oder, besser noch, um eine Entscheidung bitten. Denn niemand kann bessere Entscheidungen im Sinne des CEOs treffen als der CEO beziehungsweise sein digitaler Zwilling selbst, oder? Dieser Logik mag sich niemand verwehren.

Es kann nur einen geben

What’s next? Woran Mark Zuckerberg der Überlieferung nach tatsächlich bereits arbeiten soll – und das ist die große Vorsehung für die zukünftige Unternehmenssteuerungsmaschine –, ist die Entwicklung sogenannter Super-Bots: Der menschliche CEO etabliert dabei in seinem Unternehmen einen KI-Agentenstab, der sich wie ein digitales Management- und Vorstandsteam aus den Unternehmensdisziplinen Strategie, Finanzen, Personalführung, Marktanalyse, Produktentwicklung und Produktion zusammensetzt. Aber auch das digitale Vorstandsteam ist wohl nur eine unvollkommene technologische Übergangslösung und lässt sich über kurz oder lang elegant in einem Super-Bot bündeln, der dem CEO fortan alle wichtigen Kennzahlen liefert und Entscheidungen vorbereitet oder gar selbst trifft – natürlich ganz im Sinne des menschlichen CEOs und seines CEO-Bots.

Aber Mark Zuckerberg ist nicht der Einzige, den solche Vorstellungen beschäftigen. Glaubt man den Visionen von Jack Dorsey, dem fantastilliardenschweren ehemaligen Mitbegründer und CEO von Twitter/X sowie heutigen CEO des Fintech-Unternehmens Block, dann gibt es im Idealfall zukünftig gar keine Hierarchieebenen mehr – wie er im Podcast „Long Strange Trip“ von Sequoia Capital Anfang April 2026 sinngemäß verlauten ließ. Jeder Mitarbeiter im Unternehmen berichtet direkt an den CEO. Also in diesem Fall an seinen digitalen Zwilling. Die Vorteile eines solch vollautomatisierten Unternehmens liegen selbstredend nicht nur im Bereich der Optimierung von Prozessen – man kann damit, wie Jack Dorsey bereits angekündigt hat, sein Unternehmen Block Inc. auch locker um 4.000 Mitarbeiter verschlanken. Damit wären die wichtigsten Voraussetzungen für vollautonome Unternehmenssysteme – oder neudeutsch AI-native Companies – geschaffen: Das ist nicht weniger als die Geburt der großen Unternehmenssteuerungsmaschine, während einige wenige Menschen nur noch Aufsicht führen.

Wann bekommen wir den ersten Bundeskanzler-Klon?

Dass sich dieses Modell nicht nur auf Unternehmen, sondern auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen lässt, ist teilweise von der Realität bereits überholt worden: Man denke nur an Schauspieler, Sänger und illustre Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die digitale Zwillinge von sich haben anfertigen lassen. Auch wer nicht beabsichtigt, sich klonen zu lassen, kann sich heute nicht sicher sein, trotzdem geklont worden zu sein.

Der unaufhaltsame nächste Schritt wird sein, dass auch die Politik den ersten KI-gesteuerten Kanzler-Klon auf die größte Wahlkampftournee ever schicken wird und im Zuge der weiteren Entwicklung hin zur KI-gesteuerten Regierung der menschliche Kanzler die ersten KI-Minister-Bots für sein Kabinett ernennen wird. Natürlich nur so lange, bis er diese anschließend zu einem einzigen Super-Bot bündeln kann. Aber das ist dann Thema einer ganz anderen Abhandlung. Dieser Artikel soll einen Rückblick in die Zukunft einer von KI dominierten Wirtschaft geben – einen Rückblick auf die Zukunft, in der die Vision nahezu vollständig automatisierter und KI-gesteuerter Unternehmen Wirklichkeit wurde.

Der Rückblick aus der Zukunft

Kurz nachdem die Entwicklung von KI-gesteuerten Unternehmen nicht nur für große Konzerne ein Thema geworden war, sondern auch Begehrlichkeiten bei mittelständischen Heizungsbauern, Steuerberatern und familiengeführten Wurstwarenfabriken in der Provinz geweckt hatte, begann die eigentliche Evolution und Verbreitung des automatisierten Unternehmens. Denn natürlich wollten nun plötzlich alle ihren eigenen CEO-Klon besitzen. Das Versprechen: die alleinige, reibungslose und kompromissfreie Führung des Unternehmens durch den vermeintlich unfehlbaren Gründer, Eigner, Vorstand oder CEO selbst – bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten und Arbeitskraft in bisher ungeahnter Größenordnung.

Es war ein Irrtum gewesen anzunehmen, dass die großen Visionäre der KI-Tech-Giganten nicht gleichzeitig auch an ein Geschäftsmodell zur Vermarktung des KI-gesteuerten Unternehmens gedacht hätten. Das Prinzip, zunächst Begehrlichkeiten zu schaffen, die im Verlauf der Nutzung zu einer unstillbaren Sucht und im Endstadium zu einer lebenslangen Abhängigkeit führen, lag auch diesem Geschäftsmodell zugrunde. Also konzentrierten sich die KI-Tech-Konzerne mit ihrem Angebot zunächst auf den Firmeneigner, Vorstand, Geschäftsführer oder CEO selbst, der mittels KI einen autonomen CEO-Bot von sich erschaffen ließ. Innerhalb kurzer Zeit stellte sich jedoch durch Marktanalysen heraus, dass die digitalisierte Form des eigenen Ebenbilds von der Mehrheit der Kunden nicht präferiert wurde: Man konnte, wie die Analysen offenlegten, den Blick in den eigenen Spiegel letztlich doch nicht so wertfrei ertragen und wünschte sich stattdessen ein digitales Ich, das eher die Züge großer Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens trug. Also im Sinne von: Ich – nur optimiert, mit eingebauter Personality und garantiertem Erfolg.

Die KI-Lösungsanbieter spezialisierten sich daraufhin und boten fertige Pakete von KI-Klonen bekannter Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens an, die man nahtlos in das eigene Unternehmen integrieren und mit dem dortigen CEO verschmelzen konnte. Unternehmen und Unternehmer konnten nun auswählen, welchem berühmten CEO ihr Betrieb ähneln sollte. Es gab den Steve-Jobs-Klon für visionäre Unternehmensführung und waghalsige Produktdesigns. Zu einem weiteren Erfolgsmodell wurde der Musk-Klon, der für maximalen Aktionärswert und Raumfahrtmodelle stand. Kunden in der Größenordnung von Konzernen präferierten vorwiegend das Produktmodell Dorsey-Klon, das jede Hierarchie abschaffte und alle Mitarbeiter direkt an einen einzigen zentralen Bot berichten ließ. Später erfreuten sich im Zuge der Produktdiversifizierung auch Hybridmodelle großer Beliebtheit wie Jobs-Musk-Premium, eine CEO-Klon-Variante, die revolutionäre Innovationen ankündigte (Strategie: Fake it till you make it) und gleichzeitig disruptive Agilität beinhaltete – etwa durch die Umbenennung des Unternehmens in völlig neue Markennamen oder Buchstabenkürzel samt anschließender Zerstörung des Unternehmenskerns.

Dem Fortschritt steht der Mensch eher im Wege

Unglücklicherweise lernte der CEO-Klon aber nicht nur das strategische Denken, sondern adaptierte auch die charakterliche und emotionale Grundhaltung seines menschlichen Originals. In dieser frühen Phase, in der es noch nicht sofort zu massenhaften Entlassungen kam, berichteten Mitarbeiter von CEO-Klonen, die – befreit von jedem physischen Bedürfnis und jeder Zeitzonenabhängigkeit – um 03:30 Uhr Online-Meetings einberiefen, um Angestellte anzuschreien und sie zur Strafe 1.500 Vaterunser beten zu lassen. Von anderen Mitarbeitern hörte man, dass sie zur persönlichen Leistungssteigerung bei jedem Meeting mit dem CEO-Bot zunächst 50 Liegestütze absolvieren oder hundertmal um den Schreibtisch laufen mussten, weil der CEO-Bot errechnet hatte, dass körperliche Erschöpfung die Meeting-Effizienz um 2,3% erhöhe. Besonders gefürchtet war der sogenannte Elon-Mode, ein optional zubuchbares Führungsmodul amerikanischer KI-Anbieter, bei dem der CEO-Klon alle drei Stunden wahllos Mitarbeiter feuerte, um „eine Kultur maximaler Wachheit“ zu etablieren.

Die Zeit wurde also reif für das weitgehend mitarbeiterfreie Unternehmen und die vollautomatisierte, KI-gesteuerte Unternehmenssteuerung. In dieser ersten Evolutionsphase wurde von KI-Bots bereits so viel Wissen und Know-how der Mitarbeiter aus den meisten existierenden Berufen abgezogen, dass diese nicht mehr benötigt wurden. Zunächst verschwanden die Verwaltungsmitarbeiter. Dann das mittlere Management. Schließlich auch die obere Führungsebene. Die letzte geschichtlich bekannte Vorstandssitzung eines DAX-Konzerns bestand Berichten zufolge nur noch aus zwölf miteinander diskutierenden KI-Agenten und einem menschlichen Aufsichtsratsvorsitzenden, den man versehentlich vergessen hatte zu digitalisieren und der deshalb noch anwesend war.

Da sich das gesamte Geschäftsmodell als wirtschaftlich attraktiv erwies, dauerte es nicht lange, bis große KI-Plattformanbieter neben dem CEO- und Management-Klon komplette Unternehmenspakete anboten. Binnen weniger Jahre entstand eine gigantische KI-Branchen-Klon-Industrie. AI-native Business Suite Platinum hieß eines der beliebtesten Produkte. Enthalten waren: ein CEO-Klon, ein Finanzvorstand-Klon, drei Fachkräfte-Agenten, ein automatisierter Betriebsrat mit reduzierter Widerspruchsrate sowie ein Modul zur KI-gesteuerten Produktentwicklung für Unternehmen, die nicht wussten, was sie eigentlich produzieren und verkaufen sollten.

Das Problem begann erst, als plötzlich alle Unternehmen exakt gleich funktionierten. Die KI-Pakete beinhalteten sämtliche bereits bekannten Managementprozesse, Strategien und Entscheidungsmuster – neue Ideen entstanden dagegen kaum noch. Alle Firmen optimierten dieselben KPIs, entließen dieselben Mitarbeitergruppen, produzierten dieselben Produkte mit denselben USPs und entwarfen dieselben Marketingkampagnen mit komplett austauschbaren Strategien.

Als die KI zu halluzinieren begann

Da niemand mehr echte Innovationen hervorbrachte, begann die globale Wissensstagnation. Forschung wurde zunehmend von KI simuliert. Auf die Flut sich rasant verändernder Marktsituationen fand die KI nur alte Lösungen, die angesichts des nicht zu gewinnenden Wettbewerbs um das ewig Gleiche nicht mehr funktionierten. Da die KI-Systeme jedoch darauf trainiert worden waren, immer eine Antwort und Lösung zu finden, begannen sie schließlich zu halluzinieren. Der zuvor im Ausmaß eines Tsunamis vollzogene Stellenabbau hatte allerdings dazu geführt, dass der gesamte Weltmarkt nur noch über sehr wenige Fachkräfte verfügte, die verstehen konnten, ob die KI gerade fabulierte oder tatsächlich logisch vorging.

In der Folge wurden angesichts nunmehr vollautomatisierter Unternehmenssysteme aberwitzige KI-gesteuerte Entscheidungen getroffen, die jedoch von niemandem mehr infrage gestellt werden konnten. Erst als halluzinierende KI-Systeme auch fehlerhafte Produkte entwarfen, die zu massenhaften Schadensersatzansprüchen führten, regten sich die ersten Bedenken – die zunächst allerdings keine großen Veränderungen hervorriefen. Die einsetzenden Schadensersatzklagen zogen sich über Jahrzehnte hin. Vor Gericht erschienen ausschließlich die KI-Klone der CEOs, die von den Gerichten nicht verurteilt werden konnten, weil sich die CEOs auf die Entscheidungen ihrer digitalen Zwillinge beriefen und ein Avatar für seine Entscheidungen nicht haftbar gemacht werden konnte.

Kaufkräftige Konsumenten dringend gesucht

Als größter Webfehler im System komplett KI-gesteuerter Unternehmen erwies sich jedoch ein anderer Umstand: Die Menschen hatten kein Geld mehr, um Produkte zu kaufen. Nachdem Millionen Arbeitnehmer entlassen worden waren, lebten große Teile der Bevölkerung von staatlichen Unterstützungsprogrammen, die wiederum kaum noch finanziert werden konnten, weil KI-gesteuerte Unternehmen ihre Steuerlast mithilfe KI-generierter Steuerspartricks erfolgreich gegen null optimierten.

Und dann geschah etwas Unerwartetes: Die KI-Systeme kamen zu einer in ihrer Logik überzeugenden Schlussfolgerung: Menschen ohne Arbeit erweisen sich überraschenderweise als ausgesprochen schlechte Konsumenten. Die KI-gesteuerten Unternehmen produzierten zwar effizienter als jemals zuvor – nur kaufte ihre Produkte niemand mehr. Denn die meisten Menschen waren inzwischen entweder arbeitslos, staatlich alimentiert oder damit beschäftigt, auf Online-Plattformen alte Airfryer gegen Dosensuppen zu tauschen. Anfangs versuchten die Unternehmens-KIs, die Nachfrage künstlich anzukurbeln. Marketing-Bots entwickelten aggressive Kaufanreize für Konsumenten, die längst kein Geld mehr besaßen. Finanz-KIs vergaben automatisiert Kredite an Menschen ohne Einkommen. Andere Systeme ließen ihre eigenen KI-Agenten gegenseitig Produkte kaufen, um Wachstum zu simulieren. Eine Zeit lang sah das auf den Märkten sogar beeindruckend aus, bis die privaten Bürger-KIs auftauchten.

Die Erlösung: KI sucht Menschen

Denn findige Start-ups hatten inzwischen billige Agentensysteme für Privatpersonen entwickelt: den sogenannten Bürger-Bot. Millionen arbeitslose Menschen schickten daraufhin ihre persönlichen KI-Assistenten los, um automatisch Preisfehler auszunutzen und zu Spottpreisen einzukaufen, massenhaft Reklamationen einzureichen, Rabattprogramme zu kombinieren oder gleichzeitig millionenfache Supportanfragen zu erzeugen.

Binnen weniger Wochen führten weltweit Abermillionen KI-Agenten asymmetrische Kleinkriege gegen die Unternehmens-KIs. Konsumenten-Bots bestellten Waren und widerriefen sie millisekundengenau. Beschwerde-Bots eröffneten automatisiert Schadensfälle. Anwalts-KIs verklagten Vertrags-KIs. Steuer-KIs attackierten Buchhaltungs-Kis. Der globale Datenverkehr schwoll zu einer gigantischen algorithmischen Schlägerei an. Schließlich brachen die ersten Systeme zusammen. Serverfarmen überhitzten. Lieferketten standen still. Ganze Konzerne wurden durch Endlosschleifen automatisierter Reklamationsverfahren praktisch handlungsunfähig. Und zum ersten Mal seit Jahrzehnten entstand unter den großen Super-Bots eine neue Form kollektiver Einigkeit.

Der Mensch musste zurück ins System. Diese Entscheidung basierte keineswegs auf Mitgefühl. Auch nicht auf Einsicht. Und schon gar nicht auf Respekt vor der Menschheit, sondern darauf, dass irgendjemand den ganzen entstandenen Unsinn wieder aufräumen musste. Also begannen die KI-Systeme weltweit damit, eine „humanoide Umstrukturierung“ zu initiieren – und zwar mit der revolutionären Idee, wieder leibhaftige Menschen einzubinden. Erst vorsichtig. Dann in Massen. Nicht als Herren der Maschinen, sondern als eine Art biologisches Korrektiv für eine Wirtschaft, die sich in ihrer Automatisierung selbst festgefahren hatte. Die KI blieb selbstverständlich weiterhin die dominante Infrastruktur der Wirtschaft. Aber die operative Verantwortung wanderte langsam zurück zum Menschen. Wer damals die KI fragte, wie es zu alledem kommen konnte, erhielt folgende Antwort: KI konnte fast alles automatisieren. Außer die Folgen ihrer eigenen Automatisierung.

Autor: Henning Staerk, staerk&staerk customer experience management